Das 10% Christentum überwinden

Wie wir vom reglementierten zum befreiten Geben kommen

Jesus lebte einen ausserordentlich faszinierenden Umgang mit Geld. Er lebte und predigte beispielsweise, dass Gott im Himmel Arbeit für uns auf der Erde hat - und dass diese Arbeit sogar bezahlt wird. Und zwar nicht nur indirekt über säkulare Anstellungsverhältnisse – er selber war 18 Jahre lang Schreiner - sondern auch direkt von Gott. Im Vergleich zum Alten Testament mit der Anweisung 6 Tage arbeiten, am 7. zu ruhen und die Zehnten zu bezahlen bringt Jesus zu den Themen Arbeit und Geld nicht weniger als eine komplette Revolution. Seine Predigten zum Thema Geld liess die Menschen im damaligen Israel daher nicht nur aufhorchen; viele waren entsetzt und gerieten völlig aus dem Häuschen – und zwar in übertragener und sogar buchstäblicher Hinsicht.

Was war das revolutionär Neue zum Thema Geld und Arbeit bei Jesus?

  • Jesus kauft den Menschen aus dem Machtbereich Satans und satanisch geprägter      Wirtschaftssysteme zurück für Gott. Was Gott gehört, darüber bestimmt auch - Gott.
  • Dieser 100prozentige Herrschaftswechsel bedeutet auch einen 100prozentigen Eigentumswechsel: Leibeigene und ihre Habe gehören zu 100% dem neuen Herrn – nicht zu 10%.
  • Die Frage ist nicht länger: wieviele soll man geben, sondern: wieviel darf man behalten.
  • War das Geben im AT reglementiert, ist es im NT befreit.
  • Gott der Vater versorgt seine Kinder – auch finanziell; diese Grundversorgung (Mt. 6,33, Lk 15) beruht auf der Kindschaft, nicht länger dem Leistungsprinzip
  • Der Umgang mit Geld ist heilssymptomatisch, denn er zeigt wie nichts anderes: „wo unser Schatz ist, ist unser Herz“. Am Umgang mit Geld erkannte Jesus offenbar schneller als bei jedem anderen Indikator, ob ein reicher Jüngling „das Himmelreich erben“ würde, oder dem Haus eines Zachäus Heil widerfahren ist, der 50% seines Besitzes herschenkt und Betrug 4fach zurückerstatte
  • Mamon ist ein durch Geldgier und Geiz regierender Dämon, und Dämonen überwindet man nicht durch Informationen und Regeln, sondern durch Befreiung
  • Arbeit ist nicht länger für Geld an andere Menschen verkaufte Leistung (auch nicht fromme Arbeit gegen frommes Geld an einen frommen Markt), sondern Mitarbeit im Weinberg des eigenen Vaters.
  • Diese Mitarbeit wird tageslohnartig vom Herrn des Weinberges finanziert (Mt. 6,34; Mt 20,2)
  • Das Berufsleben (Schreiner, Fischer etc) ist ausdrücklich nicht das Letzte, sondern das Vorletzte im Leben
  • Das Letzte ist die Berufung in die vollzeitliche Mitarbeit beim „Herr des Weinbergs“ (Mt. 20), wo Fisch-Fischer zu Menschenfischern und Zöllner zu Apostel werden und in einen der 7 Grundberufe im Reich Gottes eintreten sollen (Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer, Evangelisten, Diakone, Älteste)

„Die Zehnten“ im Alten Testament

Der Zehnte (Einzahl) begegnet uns zunächst bei Abraham. Er gab ein einziges Mal in seinem langen Leben 10% der Beute einer Schlacht an Melchisedek (Gen 14,20). Gott gab dem frühen Israel in den 5 Büchern Mose sodann eine klare Steuergesetzgebung. Dazu gehörten drei Zehntenzahlungen:

1) zehn Prozent aller Erträge des Landes wurden pro Jahr abgegeben als Lohn für die landlosen, levitischen Priester und ihren Tempeldienst (die wiederum ihrerseits 10% in die Lagerhäuser des Tempels zu bringen hatten) (3. Mose 27,30-33; 4. Mose 18,21-31).

2) Zehn weitere Prozent pro Jahr waren für die Finanzierung des ausserordentlich aufwendigen Systems von jüdischen Festen aufzubringen (5 Mose 14,22-27). Von diesem „Festzehnten“ konnte man aus Gründen der Logistik die entsprechenden Erträge auch zu Hause verkaufen und zu Geld machen, sich dann auf den Weg nach Jerusalem begeben und dort mit dem Geld wieder die Dinge kaufen, die für das Fest benötigt wurden.

3) Schließlich gab es die Vorschrift eines Armenzehnten (5. Mose 14,28-29; 26,12-13), der nur alle 3 Jahre, im sog. „Zehntjahr“, zusätzlich abzugeben war. Dieser ähnelte einer Sozialversicherungsabgabe, denn er war bestimmt für die lokalen Leviten sowie Waisen, Witwen, Arme und Fremdlinge vor Ort.

Die Abgabebelastung der jüdischen Familie lag also bei durchschnittlich 23,3% des Bruttoertrages pro Jahr. Der berühmte „Zehnten-Vers“ aus Maleachi 3,10 sagt demgemäss auch nicht: bringt den Zehnten“ (Einzahl), sondern „die Zehnten (Plural) in mein Haus“. Wer damals „zehntete“, gab also 23,3% brutto, nicht etwa 10% netto.

Mit der Einführung der Monarchie zur Zeit Sauls wurde zudem eine vierte Abgabe fällig, der sogenannte Königszehnte, der den Steuersatz sogar auf 33,3% p.a. hob. Dies war eine politisch-militärische Steuer, die das Königtum, einen Hofstaat und alle militärischen und sonstigen Eskapaden des Königs zu finanzieren hatte.

Im Neuen Testament wird „der Zehnte“ einmal (!) als Mahnung von Jesus an die religiös verdrehten gesetzlichen Pharisäer (nicht: Christen!) erwähnt; ein anderes Mal als Vorbild für ein spirituelles Prinzip: der Geringere bringt ein Opfer – etwa den Zehnten - der höhere segnet ihn (Abraham und Melchisedek). Diese Aussagen richten sich jedoch in keinem Falle an Christen, und enthalten nicht die Spur einer Andeutung dafür, dass das zentralistische Abgabesystem der Israeliten nun auch für die dezentral organisierte christliche Kirche gelten soll. Dafür gab es ein viel effizienteres System, das die apostolische Kirche auch lebte.

Apostolische Finanz-Prinzipien

Woher kam das Geld

  • Durch dramatische Ausgaben-Reduzierung: die finanziellen Einsparungen durch Befreiung von Sünde und Dämonie, teuren Süchten und Abhängigkeiten waren enorm. Dazu kamen wesentliche weitere Einsparungen durch einen kommunalen Lebensstil (Apg 4,28-32)
  • Von aussen: die Ressourcen kamen hauptsächlich aus der Ernte. Die Haupteinnahmequelle der Frühkirche war, dass der Großteil des Besitzes der Neubekehrten in den Besitz der Gemeinde überging – besonders „Äcker und Häuser“ (Plural!) wurden regelmässig verkauft (Apg. 4,34). Der Großteil  der Finanzen kamen „aus der Welt“ – mitgebracht von Menschen, die „aus der Welt zu Christus“ kamen, nach dem Prinzip: „Des Sünders Gut wird für den Gerechten gespart“ (Spr. 13,22)
  • Von Innen: Einzelne Sammlungen finden statt „nach dem Vermögen“ eines jeden (1. Kor.16,2)
     

Wer verwaltete das Geld

  1. Die einzelnen Jünger legten „bei sich selbst“ (kleinere Summen) Gelder zurück, die, wahrscheinlich kanalisiert durch die frühen Hauskirchen, wiederum größtenteils der regionalen Kirche als der Summe der regionalen Hauskirchen zuflossen
  2. Größere Summen landeten grundsätzlich vor der „Apostel Füsse“ (Apg. 4,35). Die Apostel, die für die geistliche Ausrichtung verantwortlich waren, waren auch für die Budgetierung zuständig. Der Geldpool (man legte es öffentlich-transparent den Aposteln vor die Füsse, nicht heimlich in apostolische Taschen!) wurde in direkter Zusammenarbeit mit von der Gesamtgemeinde gewählten Administratoren/Diakonen verwaltet und flexibel für 3 Budgetpunkte ausgegeben, „je nach Not (Apg. 2,45)“

Wohin ging das Geld
Diakonie im Sinne einer Armenspeisung der eigenen (christlichen) Armen, v.a. Wittwen und Waisen.
Diakonie im Sinne einer (unregelmässigen, nicht salärhaften) finanziellen Unterstützung der „Arbeiter am Evangelium“ und Ausbilder, etwa dem 5-fältigen Dienst
Diakonie im Sinne der Hilfe für nicht-christliche Arme und Bedürftige in der Region.

„Der Zehnte“: eine Erfindung der Geschichte
Genauso wie die apostolischen Strukturen der Ekklesia erodierten auch die apostolische Finanz-Prinzipien innerhalb der ersten 250 Jahre der Kirchengeschichte fast völlig. Cyprian (200-258) war der erste, der zu argumentieren begann, dass der christliche Klerus genau wie die Leviten durch den Zehnten finanziert werden solle. In den ersten 700 Jahren der Kirche war das Reden vom Zehntengeben im Sinne einer 10%-Abgabe allerdings absolute Ausnahme. Erst ab dem 8. Jahrhundert wurde es von Gesetzes wegen eingeführt, ab dem 10. Jhd. war es sogar staatlich unterstützte Bürger-Pflicht, die Staatskirchen mit dem Zehnten zu finanzieren.

Derzeitige Praxis
Nur 10% aller wiedergeborenen Christen geben heute „den Zehnten“ (verstanden als Reduktion auf 10%, nicht 23,3%). Umfragen haben jedoch ergeben, dass 90% aller Christen, die von sich sagen, sie gäben den Zehnten, ihn nicht wirklich geben. 90% aller Gemeinden, die „den Zehnten“ praktizieren, haben – fragen Sie nach! - finanzielle Probleme. 90% aller Menschen, die erstmalig beginnen, den Zehnten zu geben, machen kurzfristig-positive und aufregende Erfahrungen, aber langfristig verändert sich nicht viel. Wer ein Gebeverhalten von 10% als Einstieg, als Kindergartenphase des Gebens, predigt und als Finanzstruktur installiert, erlebt in aller Regel, das diese Ausnahme bald zur Regel wird – und die ursprüngliche Regel – nämlich weitaus mehr als 10% zu geben - zur Ausnahme. Es gibt eine christliche Discount-Mentalität, (wo bekomme ich am meisten Gott für den wenigsten Einsatz), die fast nicht mehr zu knacken ist, wenn sie einmal in den Köpfen etabliert ist. 90% aller christlichen Gelder werden heute für Immobilien, Gehaltszahlungen und Programme von Christen für Christen budgetiert, 2% der evangelikalen Gelder geht „in die Mission“ – und selbst dort folgt der Finanzfluss in keinster Weise biblisch-apostolischen Prinzipien, sondern in aller Regel individuellen Giesskannenprinzipien und dem Praktizieren christlicher Fernstenliebe.

Finanzielle Bekehrung
Die derzeitige Lage der Christenheit zum Thema Arbeit und Geld ist verzweifelt. Schon allein das Thema „Geschäftemachen mit Christen“ oder das Thema Spenden zeigt: wer sich in dieses Gebiet vorwagt, berührt eine einzige offene Wunde. Ewig-populistischen Finanz-Irrlehren und geradezu dämonische Verdrehungen (Wohlstands- oder Armutsevangelium; Beruf ist Berufung; gib 10% und du wirst frei und gesalbt) sowie die unschöne kirchenhistorisch entstandene Spannung zwischen (angestelltem) Klerus und (zehntengebenden oder Kirchensteuer zahlenden) Laien haben die Finanzbotschaft von Jesus sowie die daraus hervorgegangenen apostolischen Finanzprinzipien völlig auf den Kopf gestellt. Deswegen ist nicht Kosmetik, sondern eine veritable Reformation angesagt, die mit der persönlichen finanziellen Bekehrung des Einzelnen anfängt und mit apostolischen Finanzstrukturen für Regionen weitergeht. In John Mulindes Vision „Licht und Finsternis über Europa“ sieht er dunkle Rauchwolken über Europa aufziehen, unter denen alles langsam abstirbt. Und woher kommen die Rauchwolken in John´s Vision? Die wenigsten mögen sich daran erinnern: aus Fabrikschloten. Dort, wo Menschen an sog. Arbeitsplätzen verheizt werden. Knacken wir dieses Thema, und wir knacken Europa!

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