Freiheit zur Anbetung

Liebe Freunde,

Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben (Joh. 4, 23).

Ist das nicht erstaunlich? Der allmächtige Gott, der über die Ressourcen des gesamten Universums verfügt, sucht nach Menschen, die ihn anbeten - Menschen wie Du und ich, die von einer Rasse gefallener Sünder abstammen! Was mag Gott dazu bewegen? Hat er ein tiefes, inneres Verlangen nach Annahme oder Bestätigung? Wohl kaum!

Nein - vielmehr sehnt sich sein väterliches Herz danach, sich denen, die er geschaffen hat, in all seiner Herrlichkeit zu offenbaren. Das ist der größte Segen, den er uns zuteil werden lassen kann.

Die Offenbarung Gottes kommt zuallererst durch sein kostbares Wort - die Bibel. "Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen" (Joh 14, 23). Indem wir Gottes Wort empfangen und befolgen, nehmen sowohl Gott der Vater als auch Gott der Sohn bei uns Einzug.

Dies wiederum treibt uns dazu, den Gott, den wir angenommen haben, anzubeten. Je besser wir Gott durch sein Wort kennenlernen, desto mehr sehnen wir uns danach, ihn anzubeten. Der Stellenwert, den Gottes Wort in unserem Leben einnimmt, läßt sich erkennen an dem Ausmaß unseres Verlangens, ihn anzubeten.

Zunächst müssen wir uns darüber im klaren sein, daß Anbetung weder aus dem Singen frommer Lieder oder Choräle, noch aus dem Hören geistlicher Musik und nicht einmal dem Gebet besteht - obwohl all diese Aktivitäten durchaus legitim sind und uns in die Anbetung führen können bzw. sollen.

Noch viel wichtiger ist jedoch die Erkenntnis, daß Anbetung nicht eine Art "geistlicher" Unterhaltung darstellt. Bei der Anbetung konzentrieren wir uns nicht auf uns selbst oder auf unsere Erlebnisse, sondern auf Gott. Anbetung bedeutet direkte, intime, persönliche Beziehung zu unserem Schöpfer. Dies ist die höchste Ausdrucksweise, zu der der menschliche Geist fähig ist, aber sie umfaßt nicht nur den Geist, sondern den gesamten Bereich unserer menschlichen Persönlichkeit.

Es ist auch ein Irrtum, unter Anbetung etwas zu verstehen, das "man" nur innerhalb der Gemeinde oder in der Öffentlichkeit "tut". Anbetung sollte vielmehr der Höhepunkt unserer persönlichen Hingebung sein. Im urprünglichen Sinne des Wortes stellt "Hingebung" nämlich "einen Akt der Anbetung" dar. Wenn wir Gott nur öffentlich innerhalb der Gemeinde anbeten, wird unsere Anbetung irgendwie immer etwas "Gekünsteltes" an sich haben - sie wird nicht mehr als eine religiöse "Show" sein, die wir in Gegenwart anderer "abziehen".

Andererseits jedoch kann die gemeinsame Anbetung innerhalb des Gottesdienstes jedem Einzelnen ein höheres, tiefergreifendes Bewußtsein von Gott und seiner Herrlichkeit vermitteln als dies in der individuellen Andacht allein je möglich wäre.

Unglücklicherweise hat sich das christliche Verständnis von Anbetung im Laufe der Jahrhunderte sehr weit vom biblischen Vorbild entfernt. Ich habe alle wesentlichen Wörter untersucht, die in der Bibel für "Anbetung" benutzt werden, und bin dabei zu einem aufregenden und revolutionären Schluß gekommen: Jedes Wort, das die Bibel für "Anbetung" verwendet - sowohl im Alten als auch im Neuen Testament - beschreibt eine bestimmte Körperhaltung! Wir werden diese verschiedenen Positionen näher erläutern, indem wir mit dem Kopf anfangen und uns von dort fortlaufend nach unten bewegen.

Das Verneigen hat in diesem Zusammenhang eine wesentliche Bedeutung. Als Abrahams Diener auf der Suche nach einer Braut für den Sohn seines Herrn erkannte, daß Gott ihn zu der Familie von Abrahams Bruder geführt hatte, "verneigte sich der Mann und betete den Herrn an" (1. Mose 24, 26).

Als Moses und Aaron den Ältesten Israels in Ägypten berichteten, daß Gott versprochen hatte, sie von ihrer Sklaverei zu befreien, war ihre Reaktion genau die gleiche: "Sie verneigten sich und beteten an" (2. Mose 4, 31).

Unsere Hände spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei unserer Anbetung. Psalm 63, 5 beschreibt, wie David auf die Barmherzigkeit Gottes reagiert hat: "So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben."

In Psalm 141, 2 beschreibt David eine ähnliche Anbetungsweise: "Mein Gebet möge vor dir gelten als ein Räucheropfer, das Aufheben meiner Hände als ein Abendopfer."

In Psalm 143, 6 beschreibt David eine andere Position seiner Hände, die seine Sehnsucht nach Gott zum Ausdruck bringt: "Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land."

Durch das Aufheben unserer Hände erkennen wir Gottes Majestät an. Mit dem Ausbreiten unserer Hände geben wir zu verstehen, daß wir von Gott empfangen wollen.

Die Betenden Hände von Albrecht Dürer sind wohl die am meisten bekannte künstlerische Darstellung des Gebets, wobei es sich hier vielleicht eher um ein Flehen zu Gott als um eine Anbetung handelt. Auf jeden Fall ist es bemerkenswert, daß Dürer dabei sein Hauptaugenmerk weder auf die Lippen noch auf das Gesicht der betenden Person richtet, sondern auf die Hände.

Eine weitere Art und Weise, unsere Hände zu benutzen, wird in Psalm 47, 2-3 beschrieben: Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! Denn der Herr, der Allerhöchste, ist heilig, ein großer König über die ganze Erde.

Indem wir in die Hände klatschen, erkennen wir die ehrfurchtgebietende Majestät unseres großen Königs an. Indem wir Jauchzen mit fröhlichem Schall hinzufügen, proklamieren wir damit seinen vollkommenen Sieg. Ich habe mehrmals an Versammlungen teilgenommen, wo etwas gesagt oder getan wurde, das eine Reaktion wie Händeklatschen oder Jauchzen hervorgerufen hat. Wahrscheinlich waren sich die Personen, die auf diese Weise reagiert haben, gar nicht bewußt, daß es sich dabei um eine biblische Anbetungsweise handelt.

Ich möchte in diesem Zusammenhang noch hinzufügen, daß jauchzen hier nicht etwa lautes Singen bedeutet, sondern vielmehr, daß damit ein Schreien mit dem vollen Einsatz unserer Lungen gemeint ist.

Als Salomo den Tempel einweihte, den er zur Ehre Gottes hatte bauen lassen, breitete er seine Hände aus. Er ging sogar noch einen Schritt weiter: Er kniete nieder (2. Chronik 6, 12-13). Diese Form der Anbetung ist ein Ausdruck der völligen Unterordnung gegenüber Gott.

In Epheser 3, 14 sagt Paulus, daß er ebenfalls diese Position einnahm, wenn er sich Gott näherte: "Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater."

Letztendlich wird das gesamte Universum sich dem Schöpfer in dieser Weise unterordnen. In Jesaja 45, 23 erklärt der Herr: "Ich habe bei mir selbst geschworen ... : Mir sollen sich alle Knie beugen ...". Paulus sagt in Philipper 2, 10, daß dieser Akt der Unterwerfung ganz konkret Jesus gegenüber, der von Gott als Herrscher eingesetzt worden ist, zum Ausdruck gebracht wird: "daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie ..."

Es gibt noch eine weitere Anbetungsform, die den ganzen Körper mit einschließt und die in der Bibel am häufigsten erwähnt wird: Die Form der Anbetung, bei der man vor dem Herrn auf sein Angesicht fällt. Indem wir uns vor Gott flach auf dem Boden ausstrecken, bekennen wir unsere völlige Abhängigkeit ihm gegenüber. Damit sagen wir uns los von dem Verlangen, von ihm unabhängig zu sein, was zu dem ursprünglichen Ungehorsam von Adam und Eva führte und seitdem charakteristisch ist für die gefallene Natur jedes ihrer Nachkommen.

Irgendwann einmal befanden sich die meisten der großen Männer in der Bibel flach auf ihrem Angesicht vor Gott. In 1. Mose 17 heißt es zweimal, daß Abraham vor Gott auf sein Angesicht fiel (Vers 3 bzw. Vers 17).

Als sich der Herr Josua vor den Toren Jerichos als der Befehlshaber der Armee Gottes zeigte, fiel (Josua) auf sein Angesicht zur Erde nieder. Danach wurde ihm befohlen, seine Schuhe von seinen Füßen zu ziehen (Josua 5, 13-15). Beide Handlungen - vor Gott auf sein Angesicht zu fallen sowie seine Schuhe auszuziehen - waren ein Ausdruck der Anbetung. Während sich Josua in dieser Position der Anbetung befand, erhielt er die An-weisungen Gottes zur Einnahme Jerichos.

Die außergewöhnlichste Form der Anbetung - gemessen an unserer heutigen Vorstellungsweise - ist jedoch in 2. Samuel 6, 12-14 beschrieben. Als es David gelungen war, die Bundeslade nach Jerusalem hinauf zu bringen, tanzte er mit aller Macht vor dem Herrn her. Da David ein äußerst tapferer Mann war, bedeutet der Ausdruck "mit aller Macht" sicherlich, daß damit eine ausgesprochen kraftvolle Handlung gemeint sein muß, an der jeder Teil seines Körpers beteiligt war. Auf diese Weise konnte er seine überschwengliche Freude und Dankbarkeit Gott gegenüber am besten zum Ausdruck bringen.

Das Kapitel endet mit einer Warnung an jeden, der versucht sein könnte, auf eine derart kraftvolle Form der Anbetung negativ zu reagieren. Genau so reagierte nämlich Davids Ehefrau Michal auf diese Ausdrucksweise ihres Mannes, was zur Folge hatte, daß sie ihm keine Kinder gebären konnte. Wenn man auf "fleischliche" Weise Kritik übt, kann dies eine "Unfruchtbarkeit des Geistes" hervorbringen.

Ich habe zwar vorhin gesagt, daß das Singen allein keine Handlung der Anbetung darstellt, aber diese Aussage bedarf einer weiteren Erklärung. In manchen Fällen kann Singen in Anbetung übergehen, ohne daß man sich dessen eigentlich bewußt wird. Andererseits kann aber auch das Händeklatschen und Tanzen ebenso ein Ausdruck der Danksagung wie der Anbetung sein. Die menschliche Sprache ist nicht einfühlsam genug, um die Grenze zwischen den verschiedenen Formen von Anbetung und Lobpreis exakt zu markieren.


Warum der Körper?

Vielleicht stellen wir uns die Frage: Warum spielt der Körper so eine wichtige Rolle in unserer Anbetung? Schließlich hat Jesus gesagt, daß wir im Geist und in der Wahrheit anbeten sollen (Joh. 4, 24). Die Antwort auf diese Frage finden wir, wenn wir die Verbindung zwischen Geist, Seele und Körper - d.h., den drei Bereichen, die unsere menschliche Persönlichkeit ausmachen - erkennen können. (Siehe Thessalonicher 5, 23.)

Der Geist ist derjenige Teil unserer Persönlichkeit, der direkten Kontakt mit Gott aufnehmen kann (Siehe 1. Korinther 6, 17.). Der Geist ist jedoch auf die Mitarbeit der Seele angewiesen, um sich Ausdruck zu verleihen. Die Seele ist der Teil, durch den unser Wille zum Ausdruck kommt, d.h., sie trifft Entscheidungen für die gesamte Person und setzt dann ihrerseits den Köper in Bewegung.

Das wird durch die Worte Davids in Psalm 103,1 veranschaulicht: "Lobe den Herrn, meine Seele ... ." David fühlte sich in seinem Geist dazu bewegt, den Herrn zu loben und ermutigte daher seine Seele, die entsprechende Entscheidung zu treffen. Seine Seele wiederum mußte den Körper in Bewegung setzen - vor allem seine Stimmbänder - um somit dem von seinem Geist ersehnten Lobpreis Ausdruck zu geben.

In diesem Licht betrachtet, stellt Anbetung also eine Tätigkeit dar, bei der der Geist die Seele in Anspruch nimmt, um entsprechende Handlungen des Körpers herbeizuführen. Wenn die Seele oder der Körper nicht auf das Drängen des Geistes hin reagieren, dann funktioniert der Körper praktisch wie ein Kerker, der den Geist gefangenhält und ihn davon abhält, sich frei zu entfalten. Menschen in diesem Zustand - d.h., "Geister", die in Körpern gefangen gehalten werden, durch die sie sich nicht frei entfalten können - finden wir heutzutage in der Gemeinde sehr häufig. Ihre körperliche Aktivität ist auf ein paar routinehafte Bewegungen beschränkt. Sie betreten die Kirche, nehmen Platz, stehen auf, setzen sich, stehen auf und verlassen die Kirche wieder. Das hat zur Folge, daß sie an der höchsten Tätigkeit, zu der ihr Geist fähig ist - nämlich der ungehemmten Anbetung des Schöpfers - fast überhaupt nicht teilnehmen.

Man kann jedoch auch einen Fehler in der entgegengesetzten Richtung machen: Die Seele und der Körper können sich rein äußerlich in der Anbetung befinden, ohne daß der Geist dabei der Urheber ist oder sonst daran beteiligt ist. In diesem Fall handelt es sich um bloße religiöse Aktivität, die nichts mit wahrer Anbetung zu tun hat. Das biblische Muster der Anbetung setzt die harmonische Wechselwirkung aller drei Teile - Geist, Seele und Körper - voraus, wobei die Initiative dem Heiligen Geist vorbehalten ist. Freiheit im wahrsten Sinne des Wortes besteht nämlich aus eben diesem Zusammenspiel all unserer Fähigkeiten.


Ein Geist der Steifheit

Vor kurzem ist mir etwas widerfahren, was meiner Meinung nach eine Art "Gleichnis" für diese Situation darstellt. Ich befand mich mit einer Gruppe von Christen im Gebet und wartete auf Gottes Antwort, als sich plötzlich - unabhängig von meinem eigenen Willen - meine Hände in die Luft erhoben und mein Körper für einen Moment mit krampfartigen Zuckungen reagierte. Diese "unfreiwillige" Reaktion meinerseits war mir peinlich und ich fragte mich, was wohl die Leute um mich herum denken mochten. Aber dann stellte ich mir selbst die Frage:"Was ist wichtiger: Was andere denken, oder was Gott für mich tun will?" Ich traf die Entscheidung, Gott vorbehaltlos gewähren zu lassen. Die Mehrzahl der Leute um mich herum waren ohnehin selbst zu sehr mit Gott beschäftigt, um zu bemerken, was mit mir geschah.

Die krampfhaften Zuckungen hielten für ein paar Minuten an, und dann entspannten sich die Muskeln in meinem Köper wieder. Gott gab mir zu verstehen, daß ich von einem Geist der "Steifheit" (von dessen Existenz ich bis dahin keine Ahnung hatte) befreit worden war. Er zeigte mir auch, wann und wie dieser Geist Zugang zu mir gefunden hatte. Ich wurde 1915 in Indien geboren, zu einer Zeit, in der Krankenhäuser noch recht primitiv ausgestattet waren. Der einheimische Arzt entdeckte innerhalb kurzer Zeit, daß meine Beine nicht gleich lang waren. Er ordnete an, daß eines meiner Beine geschient werden und ich danach mehrere Monate lang in der Rückenlage verbleiben mußte. Von diesem Zeitpunkt an war es mir unmöglich, einige ganz normale, köperliche Bewegungen auszuführen. Seit meiner Befreiung kann ich mich jedoch völlig ungehindert bewegen.

Der Gedanke, daß ein Geist der Steifheit meine körperliche Bewegungsfreiheit über 79 Jahre hinweg eingeschränkt hatte - ungeachtet der zahlreichen körperlichen und geistlichen Segnungen, die ich über die Jahre hinweg erfahren habe - hatte eine sehr ernüchternde Wirkung auf mich.

Ich bin davon überzeugt, daß die christliche Kirche im Lauf der Jahrhunderte genau die gleiche Erfahrung gemacht hat. Ein großer Teil der Kirche ist von einem Geist der "Steifheit" durchdrungen, der Christen davon abhält, die Freiheit und die überschäumende Freude zu genießen, die Gott seinem Volk in der Anbetung schenken möchte. Aus diesem Grund sind unsere Formen der Anbetung oft weit entfernt von den Beispielen, die in der Bibel so ausführlich beschrieben werden.

Was ist die Lösung? Als erstes müssen wir zu dem biblischen Modell zurückkehren und die Anbetung in ihrem vollen Umfang, so wie sie Gott gebührt, verstehen. Dann müssen wir unsere Seele dazu anhalten, auf die Stimme unseres Geistes zu reagieren und unsere Körper für alle entsprechenden Ausdrucksweisen freizusetzen. In vielen Fällen wird dies vielleicht irgendeine Form der geistlichen Befreiung erforderlich machen.

Wenn diese Worte auf Sie zutreffen, dann machen Sie nicht den Fehler, den ich selbst beinahe begangen hätte: Lassen Sie es nicht zu, daß Verlegenheit oder Scham Sie davon abhalten, zu all dem, was Gott für Sie bereit hält, durchzudringen!

Im Dienst des Herrn,
Prince

P.S. In meinem nächsten Lehrbrief werde ich dieses umfassende Thema der Anbetung weiter vertiefen und auf zusätzliche Aspekte eingehen.

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